Servus Deutschland
Weiße Haare, eine Hochzeit, zwei Upgrade-Voucher – und zum ersten Mal First Class nach L.A.

Koffer zu, Haustür zu, ab zum Flughafen. Das Schönste an einer langen Reise ist ja der Moment, in dem man sitzt und weiß: Jetzt kann daheim passieren, was mag – ich bin weg.
Erster Halt: Los Angeles. Ein paar Tage Großstadt, bevor's auf die Inseln geht. Bis dahin gilt: Champagner in der Hand, Hoodie an, Kopf aus.
Urlaub beginnt nicht am Strand. Urlaub beginnt beim Anschnallen.
Freitag: Weiß ist das neue Blond
Eigentlich beginnt Tag 1 gar nicht am Montag, dem 8. Juni, sondern schon am Freitag davor – beim Friseur. Der monatliche Termin ist bei uns immer eine kleine Gaudi: Ich geh mit einem Spezl zu unserer Friseurin des Vertrauens, für uns gibt’s ein Bierchen und für sie als kleines Dankeschön eine Weinschorle.
Experimentierfreudig bei Frisuren war ich schon immer. Aber diesmal hab ich mir was ganz Besonderes überlegt: Die Haare werden weiß. Die Idee hatte ich schon länger, und was soll ich sagen – es schaut ziemlich krass aus. Aber besser als befürchtet und eigentlich genau so, wie ich’s mir erhofft hatte.

Samstag Hochzeit, Montag Brautpaar-Taxi
Ein Hingucker war das natürlich – und zwar genau rechtzeitig, denn am Samstag stand noch die Hochzeit von einem sehr guten Freund an.
Lange Geschichte, kurz erzählt: Die zwei hatten danach zwar keine Flitterwochen, aber die Woche frei und waren eh in München unterwegs. Also waren sie so lieb und haben mich am Montag zum Flughafen gefahren – inklusive kräftiger Unterstützung meiner Vorfreude. Ihr Auftrag an mich: ganz viele Fotos machen und schicken. Hiermit erledigt.
Mit dabei war übrigens mein nagelneuer Alukoffer von Lufthansa – in Bronze, logisch. Eine Erkenntnis aus den nächsten sechs Wochen nehm ich gleich vorweg: Es gibt genau einen Moment, in dem ein Alukoffer gut ausschaut. Und das ist vor dem ersten Flug. Danach war er verbeult wie ein Oldtimer nach der Rallye.
Insgesamt war ich mit einem großen und einem kleinen Koffer plus (Wander-)Rucksack unterwegs. Im Koffer steckte außerdem noch ein kleiner, wasserdichter Rucksack für vor Ort: für Bootstouren, Strand und Wasserfälle.
Warum eigentlich Los Angeles?
Bei Fernreisen gönn ich mir inzwischen Business Class. Ich bin in einem Alter, in dem ich’s mir leisten kann – und ich spar auch gezielt drauf hin. Weil ich viel unterwegs bin, geht außerdem einiges über Meilen.
Diesmal hatte ich Business gebucht, und zwar als Gabelflug: München – Los Angeles und zwei Tage später weiter nach Honolulu. Zurück dann Honolulu – Denver und zwei Tage später Denver – München.
Der Grund dafür: Die Umsteigezeiten waren schlichtweg schlecht. Entweder ewig lang oder zwei Stunden und weniger. Und rechnet man Einreise (bei der man nie weiß, wie lang sie dauert), Koffer abholen, Koffer wieder aufgeben und den Weg zum nächsten Gate dazu – der in den USA gern mal eine halbe Stunde Fußmarsch ist –, dann liegt die Chance, das zu schaffen, eher bei 80 bis 90 Prozent als bei 100. Klar, das Risiko ist klein. Aber wenn’s schiefgeht, steht man ohne Mietwagen da, der nächste Tag wackelt, und das bedeutet vor allem eins: Stress. Brauch ich nicht.
Viele Städte, die man direkt anfliegen kann und die als Umstieg nach Honolulu taugen, gibt’s nicht: Los Angeles, San Francisco, Denver – viel mehr bleibt da nicht übrig. San Francisco ist ehrlich gesagt meine Lieblingsstadt von den dreien, aber dort hab ich wirklich schon alles gesehen. In L.A. war ich zwar erst im Jahr davor, aber eins hatte ich damals verpasst: das Griffith Observatory. Also hieß es: ein Tag L.A., und das Observatory steht ganz oben auf der Liste.
Beim Rückflug dachte ich erst: wurscht, da muss ich ja nicht einreisen, und wenn ich wegen einer Verspätung einen Tag später daheim bin, gibt’s Schlimmeres. Tja – die Umsteigezeiten waren noch blöder, teilweise eine Stunde oder weniger. Also doch noch ein Zwischenstopp, und übrig war Denver. Kurz angeschaut: Hochhäuser vor den Rocky Mountains. Schaut eigentlich ziemlich cool aus. Passt.
Zwei Voucher und ein kleines Wunder
Dann gab’s noch eine Wendung. Durch meine Meilen aus dem Vorjahr hatte ich zwei Upgrade-Voucher von Lufthansa. Mit so einem Voucher kommt man eine Reiseklasse höher, zum Beispiel von Economy in Premium Economy oder von Premium Economy in die Business. Mein Gedanke: Wie wahnsinnig wär’s, in die First Class zu kommen? Mit einem Voucher geht das nicht – mit zwei schon.
Also hab ich drei Monate vorher angerufen und mich auf die Warteliste setzen lassen. Die Upgrade-Plätze in der First sind nämlich knapp – selbst im A380, dem größten Passagierflugzeug überhaupt, gibt’s nur acht First-Class-Plätze. Und eine Woche vor Abflug kam tatsächlich die Nachricht: Platz bestätigt!
Zum ersten Mal in meinem Leben First Class – und das für vergleichsweise sehr, sehr wenig Geld. Entsprechend war ich doppelt gespannt.
Frühstück in der First Class Lounge
Nach einer sehr lustigen Fahrt zum Flughafen ging’s also in die First Class Lounge. Frühstück mit allem, was Lufthansa da so auffährt: Champagner, Kaviar und zum 100. Geburtstag der Airline sogar ein eigenes Dessert.




Über den Wolken
Und dann endlich rein ins Flugzeug. Ich weiß, die Profis rufen jetzt gleich: „Da gibt’s aber andere First Classes, die sind viel besser!“ Mag sein. Ich fand sie mega. Und ich bin selbstverständlich offen dafür, irgendwann mal eine andere zu testen. ;)



Der Flug war entsprechend entspannt. Ein bisschen geschlafen hab ich, aber nie viel: In der Economy ist Schlafen schwierig, und in der Business oder First ist es einfach zu schade dafür – erst recht, wenn man extra Voucher dafür eingelöst hat. An dem Tag war das eh egal, weil ich ja noch am selben Tag in L.A. angekommen bin.
Wenn’s Richtung Westen geht, nehm ich den Jetlag sowieso gern mit: Dann bin ich die ersten Tage früh wach, und das ist im Urlaub Gold wert. Also: ein bisschen schlafen, ein bisschen Film, bestens versorgt werden – und dann kam der Moment, über den Miley Cyrus ein ganzes Lied geschrieben hat: I hopped off the plane at LAX!
Ankommen im The Hollywood Grande
Viel passiert ist danach nicht mehr. Das Hotel lag bewusst nah am Griffith Observatory, also hieß es vom Flughafen aus noch eine knappe Stunde fahren. Dann: The Hollywood Grande. Die Eingangshalle ein bisschen wie ein Urwald, das Zimmer schön eingerichtet – ich hab mich sofort wohlgefühlt.

Und meine Bitte bei der Buchung hat geklappt: ein Zimmer mit Blick aufs Hollywood Sign. Auf dem Foto ist es ein bisschen klein, deshalb hab ich rangezoomt – in echt hat man es richtig gut gesehen. Einfach schön.


Zum Abschluss hab ich mich noch an die Bar gehockt, eine Kleinigkeit gegessen und vielleicht noch einen Cocktail getrunken – aber nicht mehr zu viel, im Flieger hatte es ja schon reichlich Champagner gegeben. So ist der erste echte Tag ganz entspannt ausgeklungen. Früh ins Bett, früh wieder wach – perfekt für Tag 2.